Hornissen in Deutschland –
Biologie, Gesetze und Schutz

Die Hornisse ist das größte staatenbildende Insekt Mitteleuropas – und das wohl am meisten missverstandene. Ihr Summen klingt bedrohlich, ihre Größe schüchtert ein, und uralte Gerüchte halten sich hartnäckig. Dabei ist die Europäische Hornisse (Vespa crabro) ein ausgesprochen friedfertiges Tier mit einem wichtigen Platz im Ökosystem. Und eines, das in Deutschland unter strengem Naturschutz steht. Wer ein Hornissennest auf dem Grundstück hat, sollte wissen, was er darf – und was nicht.

Allgemeines zur Europäischen Hornisse

Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist die einzige heimische Hornissenart Deutschlands und gehört zur Familie der sozialen Faltenwespen (Vespidae). Mit einer Körperlänge von bis zu 35 mm bei der Königin und 18–25 mm bei den Arbeiterinnen ist sie unverkennbar groß. Die typische Färbung ist rotbraun und gelb – kein schwarz-weißes Muster wie bei der invasiven Asiatischen Hornisse.

Ein Hornissenvolk kann bis zu 1.700 Individuen umfassen, bestehend aus der Königin, den Arbeiterinnen und den Drohnen in allen Entwicklungsstadien (Quelle: waldwissen.net). Die Königin lebt bis zu einem Jahr, Arbeiterinnen nur 3–4 Wochen.

Europäische Hornisse (Vespa crabro) auf Baumrinde - Schädlingsbekämpfer Mecklenburg-Vorpommern

Jahresrhythmus der Kolonie

Der Lebenszyklus einer Hornissenkolonie beginnt und endet innerhalb eines einzigen Jahres:

  • April/Mai: Eine überwinterte Jungkönigin verlässt ihr Winterquartier und sucht einen geeigneten Nistplatz. Sie gründet allein das neue Volk.
  • Mai–August: Das Volk wächst kontinuierlich. Die Arbeiterinnen übernehmen Bau, Nahrungssuche und Brutpflege.
  • September/Oktober: Neue Königinnen und Drohnen werden geboren, die Paarung findet statt. Danach stirbt die alte Königin, und bis Ende Oktober ist das gesamte Volk abgestorben.
  • Winter: Das Nest ist vollständig verlassen. Es wird im Folgejahr nicht wieder bezogen und kann nach dem ersten Frost gefahrlos entfernt werden (Quelle: hornissenschutz-bs.de).

Nisplätze

Hornissen nisten bevorzugt in natürlichen Hohlräumen: Baumhöhlen, hohle Äste, aber auch Vogelnistkästen, Rollladenkästen, Dachböden oder Gartenhäuser. Das Nest besteht aus einem selbst erzeugten Papierkarton, den die Tiere aus zerkautem Holz herstellen.

Hornisse als Nützling: Unterschätzter Insektenjäger

Hornissen sind spezialisierte Insektenjäger. Auf ihrem Speiseplan stehen Fliegen, Bremsen, Motten, Wespen und andere Insekten. Ein großes Hornissenvolk fängt täglich bis zu einem halben Kilogramm Insekten – das entspricht der Fangmenge von fünf bis sechs Meisenfamilien (Quelle: BUND Naturschutz). Damit sind Hornissen wertvolle natürliche Regulatoren im Ökosystem.

Ein angenehmer Nebeneffekt für Gartenbesitzer: Wer Hornissen in der Nähe hat, hat deutlich weniger Wespen. Denn Wespen gehören zu den bevorzugten Beutetieren der Hornisse.

Die Erwachsenen selbst ernähren sich überwiegend von Kohlenhydraten: Baumsäfte, Nektar, Fallobst und Honigtau. Anders als Wespen interessieren sich Hornissen nicht für Kuchenstücke, Limonaden oder Grillgut auf dem Tisch.

Wie gefährlich ist die Hornisse wirklich?

Der hartnäckige Mythos

„Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sieben töten ein Pferd“ – dieser Spruch ist biologisch schlicht falsch. <br> Das Gegenteil stimmt: Die Hornisse gibt mit etwa 0,1 mg pro Stich nicht mehr Gift ab als andere Wespenarten. Menschen mit einer normalen Empfindlichkeit können hundert Stiche pro kg Körpergewicht überleben. Ein Hornissenstich ist also für gesunde Menschen nicht gefährlicher als ein Wespen- oder Bienenstich.

Warum schmerzt er dann so?

Der Stich einer Hornisse ist schmerzhafter als der einer Wespe – das liegt am dickeren, längeren Stachel und vor allem am Inhaltsstoff Acetylcholin im Hornissengift, der die Schmerzrezeptoren stark aktiviert (Quelle: t-online.de). Gefährlich – nicht wegen des Giftes, sondern wegen möglicher Schwellung – ist ein Stich im Mund- oder Rachenbereich, etwa wenn man versehentlich eine Hornisse schluckt.

Allergiker aufpassen

Gefährlich ist der Stich einer Hornisse nur für die 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung, die auch auf andere Wespengifte allergische Reaktionen zeigen. Wer eine bekannte Insektengiftallergie hat, sollte einen Allergologen aufsuchen, um gezielt zu klären, ob die Allergie auch Hornissengift einschließt – denn eine Bienengiftallergie bedeutet nicht automatisch eine Hornissenallergie.

Verhalten am Nest

Hornissen sind ausgesprochen friedfertig, solange ihr Nest nicht gestört wird. Als Faustregel gilt: Einen Abstand von 4 Metern zum Nest einhalten. Wird ein Nest häufiger gestört, wächst auch der Verteidigungsradius. Folgende Dinge unbedingt vermeiden:

  • Das Nest erschüttern (Hämmern, Klopfen)
  • Starke Luftströme erzeugen (Pusten, Blasen, Fön)
  • Rauch oder Motorenlärm in Nestnähe
  • Spritzen mit Wasser
  • Hektische, schnelle Bewegungen direkt am Nest

Gesetzlicher Schutz: Was ist erlaubt, was verboten?

Die Europäische Hornisse genießt in Deutschland den höchsten Schutzstatus. Sie zählt zu den besonders geschützten Arten gemäß Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung in Verbindung mit § 44 BNatSchG.

Das bedeutet konkret:

  • Verboten: Hornissen fangen, verletzen oder töten
  • Verboten: Nester eigenmächtig zerstören, entfernen oder beschädigen
  • Verboten: Tiere mutwillig stören

Ein Verstoß dagegen kann je nach Bundesland eine Strafe von bis zu 65.000 Euro bedeuten. Für das vorsätzliche oder fahrlässige Fangen oder Töten einer Hornissenkönigin bzw. eines Hornissenvolkes sind sogar ein Strafverfahren und Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren möglich.

Wann darf ein Nest entfernt werden?

Eine Ausnahme ist möglich, wenn eine tatsächliche Gefährdung vorliegt, beispielsweise:

  • Allergiker im Haushalt mit medizinisch bestätigter Insektengiftallergie
  • Kinder oder pflegebedürftige Personen, die regelmäßig in unmittelbarer Nestnähe sein müssen
  • Nest in einem gewerblich genutzten Bereich (Gastronomie, Pflegeeinrichtung)

In diesen Fällen muss beim zuständigen Umwelt- oder Naturschutzamt eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Die Kosten der Umsiedlung oder der Beseitigung der Nester einschließlich der Verwaltungsgebühren für den entsprechenden Befreiungsbescheid sind vom Auftraggeber zu zahlen.

Wichtig: Nach dem Ableben der Kolonie im Herbst ist das verlassene Nest kein geschütztes Objekt mehr und kann ohne Genehmigung entfernt werden.

Hornissennest auf dem Grundstück

Schritt 1: Ruhe bewahren. Ein Hornissennest, das sich nicht in einem problematischen Bereich befindet, ist kein Grund zur Panik. Hornissen sind keine aggressiven Tiere und werden den Sommer ruhig im Nest verbringen.

Schritt 2: Lage einschätzen. Befindet sich das Nest an einer Stelle, die Sie im Alltag nicht stört – in einer alten Baumhöhle, unter dem Dachvorsprung oder im Schuppen – empfehlen wir, es bis Oktober in Ruhe zu lassen. Ab November ist es verlassen.

Schritt 3: Bei echtem Konflikt Fachleute einschalten. Falls das Nest tatsächlich eine unzumutbare Situation darstellt, helfen wir Ihnen gerne. Als zertifizierter Schädlingsbekämpfungsbetrieb kennen wir die rechtlichen Voraussetzungen, unterstützen Sie beim Antrag auf Ausnahmegenehmigung und führen eine fachgerechte Umsiedlung oder – sofern behördlich genehmigt – Beseitigung durch. Eigenversuche sind nicht nur illegal, sondern auch gefährlich.

Hornisse vs. Wespe: Die häufigste Verwechslung

Merkmal Europäische Hornisse Gemeine Wespe
Größe 18–35 mm 10–15 mm
Färbung Rotbraun und gelb Schwarz und gelb
Aktivität Tag und Nacht Tagsüber
Interesse an Süßem Kaum Stark
Aggressivität Gering Höher
Schutzstatus Besonders geschützt Allgemein geschützt

Kurz: Die Asiatische Hornisse als neue Art

Seit 2014 breitet sich in Deutschland auch die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) aus – eine invasive Art, die deutlich kleiner ist als die Europäische Hornisse und am überwiegend dunklen Körper mit nur einem auffällig gelb-orangen Hinterleibsring zu erkennen ist. Im Gegensatz zur heimischen Art unterliegt sie nicht dem Naturschutz und kann bekämpft werden – vor allem weil sie eine ernstzunehmende Bedrohung für Honigbienenvölker darstellt. Zu dieser Art gibt es auf unserer Seite einen eigenen ausführlichen Beitrag.

Fazit

Die Europäische Hornisse ist kein Schädling – sie ist ein geschütztes Nützlingstier, das zum Großteil zu Unrecht gefürchtet wird. Wer ihr den nötigen Respektabstand lässt, wird in der Regel problemlos mit ihr koexistieren können. Wer ein Nest hat, das tatsächlich zum Problem wird, sollte unbedingt den rechtlichen Weg über die Naturschutzbehörde gehen – und dabei auf erfahrene Fachleute setzen.

Quellen

[1] NABU Berlin, Europäische Hornisse im Porträt: berlin.nabu.de
[2] waldwissen.net, Lebensweise der Europäischen Hornisse: waldwissen.net
[3] BUND Naturschutz, Hornissen: bund-naturschutz.de
[4] Landkreis Prignitz, Hornissen – friedlich, nützlich und ungefährlich: landkreis-prignitz.de
[5] Hornissenschutz Braunschweig: hornissenschutz-bs.de
[6] Saarland.de, Umgang mit Hornissen (§ 67 BNatSchG): saarland.de
[7] Advocard, Hornissennest entfernen: advocard.de
[8] Bussgeldkatalog.org, Hornissen unter Naturschutz: bussgeldkatalog.org
[9] t-online.de, Hornissenstich behandeln: t-online.de

Bei einem Befall oder akuter Störung durch Hornissen, ist Schädlingsbekämpfer-MV umgehend zu kontaktieren. Als erfahrene Kammerjäger helfen wir Ihnen gerne. In Rostock und Umgebung schnell und nachhaltig – in Privathaushalten und Gewerbebetrieben.

Rufen Sie gerne tagsüber an. Wir kommen auch am Wochenende zu Ihnen!

Haben Sie ein Problem oder Fragen, dann rufen Sie uns gerne unter 0151 261 060 41 an. Wir kümmern uns um ihr Anliegen!