Hyalomma-Zecke in MV? – Die Jagdzecke auf dem Vormarsch nach Norddeutschland

Die Hyalomma-Zecke ist keine gewöhnliche Zecke. Sie fällt besonders durch ihre Größe und ihr Verhalten auf – sie ist bis zu zwei Zentimeter groß, hat gelb-beige Beine mit auffälligen Streifen und läuft als sogenannte Jagdzecke aktiv auf ihren Wirt zu, eine Eigenschaft wegen der sie oft mit Spinnen verwechselt wird. Über Distanzen von bis zu 100 Metern spürt sie potenzielle Wirte durch Vibrationen, CO₂-Ausstoß und Körpertemperatur auf.

Situation in Deutschland

Die Hyalomma-Zecke gilt in Deutschland noch nicht als heimisch. Sie gelangt hauptsächlich als blinder Passagier mit Zugvögeln nach Mitteleuropa. Laut RKI sind Funde seit 2017 dokumentiert, wobei die Zahlen stark schwanken – in den besonders warmen und trockenen Jahren 2018 bis 2020 wurden deutlich mehr Tiere gemeldet als danach. Eine wissenschaftliche Bürgerstudie der Universität Hohenheim erfasste zwischen 2019 und 2023 insgesamt 212 adulte Hyalomma-Exemplare aus 13 der 16 Bundesländer. Damit sich eine dauerhafte Population entwickeln kann, müssten sich ausreichend Männchen und Weibchen finden – das gilt bei den aktuell geringen Zahlen als schwierig.

In Niedersachsen wurden bereits Funde dokumentiert, der Schwesterstaat von MV. Der Klimawandel schafft mit steigenden Temperaturen und Trockenperioden zunehmend günstige Bedingungen für die Ausbreitung.

Was macht sie so gefährlich?

Anders als der gemeine Holzbock überträgt die Hyalomma-Zecke keine FSME oder Borreliose. Sie könnte jedoch das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fieber (CCHF) übertragen – bisher wurden entsprechende Viren in deutschen Exemplaren allerdings nicht nachgewiesen. Häufiger tragen sie Rickettsia aeschlimannii in sich, den Erreger des Zecken-Fleckfiebers, der bei etwa 40 Prozent der untersuchten Tiere festgestellt wurde.

Wie erkenne ich eine Hyalomma-Zecke?

Drei Merkmale unterscheiden sie klar von heimischen Arten:

  • Größe: bis zu 2 cm – deutlich größer als der gemeine Holzbock
  • Beine: auffällig gelb-beige gestreift
  • Verhalten: läuft aktiv auf den Menschen zu statt passiv zu warten

Was tue ich bei einem Fund?

Das RKI bittet um Einsendungen verdächtiger Exemplare zur wissenschaftlichen Auswertung. Den Käfer auf einem Stück Papier mit Klebestreifen fixieren und mit Datum und Fundort einsenden an: Robert Koch-Institut, ZBS 1 – „Zecke“, Seestraße 10, 13353 Berlin.

Was hat der Schädlingsbekämpfer damit zu tun?

Ähnlich wie beim Japankäfer ist der Schädlingsbekämpfer nicht der erste Ansprechpartner bei einem Einzelfund. Aber: Bei starkem Zeckenbefall auf Grundstücken, in Pferdeboxen oder auf Gewerbeflächen kann eine professionelle Behandlung des Außenbereichs sinnvoll sein.

Quellen