Marmorierte Baumwanze – Die Stinkwanze auf dem Vormarsch in Deutschland

Sie riecht unangenehm, frisst sich durch Gärten und Obstplantagen und zieht im Herbst ungefragt in Häuser ein: Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) ist eine invasive Art aus Ostasien, die sich in Deutschland in den letzten Jahren rasant ausgebreitet hat. Was sie so problematisch macht, wie man sie erkennt und was bei einem Befall zu tun ist – alles auf einen Blick.

Was ist die Marmorierte Baumwanze?

Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) gehört zur Familie der Schildwanzen (Pentatomidae) und ist im volksmund auch als Stinkwanze oder Stinkkäfer bekannt. Der Name ist Programm: Wird sie gestört oder zerquetscht, setzt sie aus Drüsen an ihrem Körper ein Sekret frei, das einen intensiven, unangenehmen Geruch verströmt – beschrieben als eine Mischung aus Koriander und alter Turnhalle.

Ursprünglich ist die Art in Ostasien heimisch, konkret in China, Japan, Korea und Taiwan. Von dort wurde sie zunächst nach Nordamerika verschleppt, wo sie ab 2001 in Pennsylvania erstmals nachgewiesen wurde und sich seitdem massenhaft ausgebreitet hat. In Europa tauchte sie erstmals 2004 im Großraum Zürich auf. In Deutschland wurde sie 2011 in Konstanz das erste Mal dokumentiert; 2017 folgten Stuttgart und der Großraum Freiburg, wo es auch zu ersten landwirtschaftlichen Schäden kam (Quelle: Wikipedia, Marmorierte Baumwanze).

Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) - invasive Stinkwanze in Deutschland

Stand März 2025 ist sie laut dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in ganz Deutschland verbreitet – zuletzt auch im Alten Land bei Hamburg, einem der bedeutendsten Obstbaugebiete Norddeutschlands (Quelle: ISIP / LTZ Augustenberg, März 2025).

Erkennungsmerkmale: So sieht sie aus

Die Marmorierte Baumwanze ist mit 12 bis 17 mm Körperlänge eine der größeren Wanzenarten, die in Deutschland vorkommen. Ihr typisches Aussehen:

  • Grundfarbe: Ockerbraun bis graubraun, dicht mit schwarzen Punkten besetzt – das ergibt das charakteristische „marmorierte“ Muster
  • Fühler: Schwarz-weiß gestreift, ein verlässliches Erkennungsmerkmal
  • Hinterleib: Mit auffälliger schwarz-weißer Zeichnung am Rand (Connexivum)
  • Scutellum (das dreieckige Schildchen auf dem Rücken): Trägt eine Reihe von fünf hellen Punkten am vorderen Rand – das gilt als bestes Feldmerkmal zur sicheren Bestimmung

Verwechslungsgefahr: In Deutschland gibt es ähnlich aussehende heimische Wanzenarten, darunter die Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) und die Beerenwanze (Dolycoris baccarum). Der Geruch bei Störung und die gestreiften Fühler helfen zur Unterscheidung (Quelle: Wikipedia).

Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) auf Blatt - häufige Verwechslung mit der Marmorierten Baumwanze

Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa)

Beerenwanze (Dolycoris baccarum) auf Blatt - heimische Wanzenart, Verwechslung mit Marmorierten Baumwanze möglich

Beerenwanze (Dolycoris baccarum)

Lebenszyklus und Verhalten

Die Marmorierte Baumwanze bildet in Deutschland in der Regel eine Generation pro Jahr. In wärmeren Lagen (wie Norditalien) sind zwei Generationen möglich.

Frühjahr und Sommer: Die Tiere verlassen ihre Winterquartiere, sobald die Temperaturen steigen, und beginnen mit der Eiablage. Ein Weibchen legt ihre Eier in Gelegen von typischerweise 20 bis 30 Stück, bevorzugt auf der Unterseite von Blättern. Bis Ende Juli sind die Larven – die sogenannten Nymphen – durch fünf Entwicklungsstadien zum erwachsenen Tier herangewachsen.

Herbst: Wenn die Temperaturen im Herbst sinken, suchen die Tiere geschützte Überwinterungsplätze. Und hier wird es für Hausbesitzer relevant: Die Wanze zieht bevorzugt in Gebäude ein. Sie dringt durch Ritzen, undichte Fenster und Rollladenkästen ein und sammelt sich dabei in teils großen Gruppen – in einem US-amerikanischen Haus wurden an einem einzigen Gebäude innerhalb einer Saison über 26.000 überwinternde Exemplare gefunden. In Deutschland sind solche Massenvorkommen noch selten, Einzelfunde und kleinere Gruppen in Wohnungen nehmen aber deutlich zu.

Der Fehler, den viele machen: Wer die Wanze im Haus entdeckt und reflexartig zur Fliegenklatsche greift und sie zerquetscht, wird es bereuen. Der Stinkgeruch ist intensiv und zieht sich durch Teppiche, Vorhänge und Polster. Zusätzlich kann der Geruch weitere Wanzen anlocken (Quelle: lubera.com).

Welche Schäden richtet sie an?

Im Garten und in der Landwirtschaft

Die Marmorierte Baumwanze ist ein sogenannter Sauger – sie sticht mit ihrem Rüssel in Früchte, Blätter und Pflanzenstängel und entzieht der Pflanze Saft. Dabei injiziert sie Speichelenzyme, die zu Nekrosen, Verformungen und Verfärbungen führen. Befallene Früchte sind unverkäuflich.

Sie befällt ein breites Spektrum von Wirtspflanzen: Über 100 bekannte Pflanzenarten stehen auf ihrem Speiseplan, darunter Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Tomaten, Paprika, Mais, Sojabohnen, Weinreben und viele Zier- und Wildpflanzen (Quellen: koppertbio.de; insecticon.net). In der Schweiz und Italien belaufen sich die Schäden durch die Wanze bereits auf Millionenhöhe pro Jahr – allein in Italien entstand 2019 ein Schaden von geschätzten 500 bis 600 Millionen Euro (Quelle: LTZ Augustenberg, Hinweise zur Pflanzengesundheit).

Zusätzlich kann die Wanze Pflanzenpathogene wie Schimmelpilze auf Nutz- und Zierpflanzen übertragen (Quelle: groli.de).

Im Haus

Im Haus richtet sie keinen direkten Sachschaden an – sie frisst keine Textilien, Holz oder Lebensmittel. Das Problem ist der Geruch bei Störung oder Zerquetschen sowie das schlichte Unbehagen, eine größere Anzahl Insekten im Wohnraum zu haben. Bei sehr starkem Befall kann der Gestank in Wänden und Dämmmaterial auch ohne Berührung wahrnehmbar werden.

Wie gelangt sie nach Deutschland?

Die Hauptverbreitungswege sind der globale Containerschiffsverkehr und der Reiseverkehr. Die Wanzen heften sich an Güter, Verpackungen, Fahrzeuge und Maschinen. Australien hat Deutschland deswegen inzwischen auf seine Liste der Länder gesetzt, aus denen Importe verstärkt auf die Wanze kontrolliert werden (Quelle: groli.de). Der Klimawandel begünstigt ihre weitere Ausbreitung in Deutschland, da sie als wärmeliebende Art vor allem städtische Wärmeinseln und Siedlungsbereiche bevorzugt (Quelle: arbofux.de).

Was kann man bei einem Befall tun?

Im Haus: Nicht zerquetschen

Das Wichtigste zuerst: Wanzen niemals zerquetschen. Stattdessen:

  • Mit einem Glas oder einer Dose einfangen und nach draußen bringen
  • Alternativ mit dem Staubsauger aufnehmen – danach den Beutel sofort entsorgen, da der Geruch auf andere Wanzen als Locksignal wirken kann
  • Eingangspunkte abdichten: Ritzen, undichte Fensterrahmen und Rollladenkästen sind die häufigsten Einfallstore

Im Garten: Vorbeugen und beobachten

  • Befallene Früchte und Blätter frühzeitig entfernen
  • Schutznetze über Obstbäume und Gemüsebeete spannen
  • Regelmäßige Kontrolle der Pflanzen, besonders der Blattunterseiten auf Eiablagen

Bei starkem Befall: Professionelle Hilfe

Die Baumwanze gilt nicht als Schädling sondern als Lästling. Wenn sich die Wanze jedoch in großer Zahl in oder am Gebäude eingenistet hat oder der Garten wiederholt stark befallen wird, ist professionelle Hilfe sinnvoll. Wir können die Einfallswege analysieren, befallene Bereiche behandeln und präventive Maßnahmen empfehlen, die nachhaltig wirken.

Natürliche Gegenspieler: Die Samurai-Wespe

Ein interessantes Kapitel in der Geschichte der Marmorierten Baumwanze ist ihre Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus): Diese winzige parasitische Schlupfwespe aus Ostasien legt ihre Eier gezielt in die Eigelege der Baumwanze. Die Wespenlarven töten dabei die Wanzeneier. Im Jahr 2020 wurde die Samurai-Wespe erstmals in Deutschland – im Raum Heidelberg – nachgewiesen. Stand 2024 ist sie bereits in sechs Bundesländern dokumentiert (Quelle: ISIP / LTZ Augustenberg).

Ein gezielter Einsatz der Samurai-Wespe als Bekämpfungsmittel ist in Deutschland aktuell rechtlich nicht zulässig, obwohl ihr Nutzen wissenschaftlich gut belegt ist. Ob und wann sich das ändert, bleibt abzuwarten.

Fazit

Die Marmorierte Baumwanze ist in Deutschland angekommen und wird bleiben. Wer Obstbäume, Gemüsebeete oder ein Haus mit Altbausubstanz hat, sollte die Art kennen und wissen, wie er reagiert. Das Wichtigste: nicht zerquetschen, Einfallswege abdichten und bei Massenbefällen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Quellen

[1] Wikipedia, Marmorierte Baumwanze: de.wikipedia.org
[2] ISIP / LTZ Augustenberg, Ausbreitung der Marmorierten Baumwanze und der Samurai-Wespe (März 2025): isip.de
[3] LfL Bayern, Neue Schadwanzen auf dem Vormarsch: lfl.bayern.de
[4] arbofux.de, Marmorierte Baumwanze: arbofux.de
[5] koppertbio.de, Marmorierte Baumwanze: koppertbio.de
[6] insecticon.net, Marmorierte Baumwanze: insecticon.net
[7] lubera.com, Marmorierte Baumwanze bekämpfen: lubera.com
[8] groli.de, Marmorierte Baumwanze und deren Bekämpfung: groli.de
[9] hortipendium.de, Marmorierte Baumwanze: hortipendium.de